| Salzburger Nachrichten | ||||
"Salzburger Nachrichten" Nr. 186 vom 12.08.2004 "So
wie ein hysterischer Sepp Forcher" |
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"profil" Nr. 34/04 vom 16.08.2004 Der
Spitzname "Franz von Nasenblut", den sich Wolfgang A. Mozart
dereinst gab, zeigt schon im Ansatz dessen Hang zu derbem, tief unterhalb
der Gürtellinie liegendem Humor. Mozart, den Spieler, Mozarts Alltag,
Mozart, den Fäkalkomiker, kurzum: den Menschen hinter dem Musikgenie,
will Kurt Palm, hier von profil-Fotograf Philipp Horak fotografiert,
in seinem neuen, eben begonnenen Dokumentarfilm "Der Wadenmesser
- Das wilde Leben des Wolfgang Mozart" beleuchten. Dass sich unkonventionelle
Zugänge zu alten Themen lohnen, hat Palm bereits mit seinem Adalbert-Stifter-Film
bewiesen. Nun also hat sich Palm für sein neues Künstlerporträt
auf die Reise gemacht, auf eine Reise zwischen Salzburg, Passau und
Wien. Per Schiff, Pferdekutsche und Heißluftballon folgt er den
Spuren Mozarts, der neben der Musik ja vor allem das Reisen liebte.
Palms Premierentermin ist gut gewählt: Mozarts 249. Geburtstag.
Im Mozartjahr 2006 soll der Film dann auch im Fernsehen gezeigt werden. |
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"Oberösterreichische
Nachrichten" vom 26.08.2004 "Er war ein großer Fäkalkomiker" "Der Wadenmesser oder Das wilde Leben des Wolfgang Mozart" heißt der Film, den Regisseur und Autor Kurt Palm gerade entlang zweier Reiserouten zwischen Salzburg und Wien über das "Genie" kurbelt. Die OÖN trafen ihn beim Dreh in Ottensheim. Von Bernhard Lichtenberger OÖN: Im Filmtitel fehlt der Name Amadeus? Palm: So hat er auch nicht geheißen. Das ist Legendenbildung. In der Taufurkunde steht Johannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus Mozart. Er hat sich nie Amadeus genannt, höchstens Amadé oder Edler von Sauschwanz oder Gnagflow Trazom. Er hat sich Dutzende Spitznamen gegeben, aber nie Amadeus. OÖN: Falco sang vom exaltierten Superstar, Oskar Werner verkörperte Mozart verklärt, und Milos Foreman zeigte den genialen, kleinen Saubartl. Was ist Ihr Mozart-Bild? Palm: Das gültige Mozart-Bild gibt es generell nicht. Wir arbeiten mit Versatzstücken, die übrig geblieben sind. Mir geht es darum, das Raue, Wilde, Dreckige herauszuholen, nicht die in Salzburg allgegenwärtige Ikone. Mozart war ein Fäkalkomiker, ein Verehrer des Drecks. Mozarts Hanswurst-Stück "Die Liebesprobe", das wir heute im Ottensheimer Gasthof "Zur Post" uraufführen, handelt auch vom Dreck, vom Schmecken und vom Stinken. OÖN: Was war Mozart noch? Palm: Ein Billard- und Kartenspieler, der Unsummen verloren hat. Auf der anderen Seite hat er sehr viel Geld eingenommen. Am Anfang seiner Wiener Zeit war er der bestverdienende Komponist. Er hat tolle Wohnungen gehabt, jene in der Domgasse kostete 460 Gulden im Jahr. Sein Dienstmädchen hat im Jahr 12 Gulden verdient. Er war ein Superstar. In seiner Spitzenzeit war er vom Marktwert her das, was Robbie Williams heute ist. Als es bergab gegangen ist, weil sich die Leute nicht mehr für seine Musik interessiert haben, war er wie Michael Jackson. Päderast war Mozart aber keiner. OÖN: Was stört Sie am Mozart-Jahr 2006? Palm: Ich versuche, diesem Mozart-Rummel auszukommen, denn dabei geht es nur um die Verteilung von Anteilen am Kuchen Mozart - und das interessiert mich nicht. Mein Wunsch wäre eine radikale Auseinandersetzung mit Mozart sowohl in Wien als auch in Salzburg: Wie hat er in diesen Städten gelebt? Aus Salzburg wurde er mit einem Arschtritt verjagt. In Wien haben später die Leute mit ihm auch nichts anfangen können, und am Schluss ist er als hoffnungsloser, einsamer, melancholischer Mann gestorben. Meine Theorie ist, dass Mozart überhaupt nicht mehr leben wollte. OÖN: Was hat es mit dem Wadenmesser auf sich? Palm: Auch das ist eines der Bruchstücke aus der Mozart-Biographie, die eigentlich marginal sind, aber bei mir prominent behandelt werden. Das Wadenmessen war damals ein erotisches Gesellschaftsspiel. Bei Parties und Maskenbällen sind die Kerzen niedergebrannt, und da hat man angefangen, den Damen die Waden zu messen. Die hatten damals zwar viele Röcke, aber keine Unterwäsche. Auf diese Art ist man den Frauenzimmern sehr nahe gekommen. Wenige Monate vor seiner Heirat mit Konstanze erfuhr Mozart, dass sie bei einer Party von einem "Chapeau", wie er schreibt, die Waden habe messen lassen. Darüber regt er sich fürchterlich auf, verrät aber im selben Brief, dass er das auch schon gemacht habe. OÖN: Premiere wird am 27. Jänner 2005, also am 249. Geburtstag Mozarts sein... Palm: ... und zwar, um auch einmal die Bedeutung runder Geburtstage in Frage zu stellen, diese Rückschauen. Deshalb verwenden wir auch keine Konservenmusik. Bei uns machen die Linzer Rapper "Texta" HipHop zu Texten Mozarts. Und die Ouvertüre aus "Entführung aus dem Serail" wird von einem arabischen Orchester mit Otto Lechner gespielt. OÖN: Wie viel Zeit benötigen Sie, um Informationen für so ein Projekt zusammenzutragen? Palm: Ich arbeite immer synchron, an vielen Projekten gleichzeitig. Und wenn eine Schachtel voll ist, mach' ich daraus einen Film oder ein Buch. Die Vorbereitung dauert Jahre. OÖN: Läuft schon wieder etwas parallel mit? Palm: Es wird ein Buch geben über "Essen und Trinken bei Mozart". Und irgendwann ist Kafka fällig - vielleicht im Mozart-Jahr. |
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"Neues Volksblatt" Nr. 199 vom 27.08.2004 Seite: 20 Mozart vom Kopf auf die Füße Kurt
Palm über "Der Wadenmesser oder Das wilde Leben des Wolfgang
Mozart" Kein Mensch, der sich eingeordnet hätte "Die ganz Familie Mozart war sehr witzig, sehr schlagfertig, sehr intelligent." Ein zweiter Punkt, der ihm sehr imponiere, sei die Prinzipienfestigkeit Mozarts, sagt Palm. "Sein Vater hat geschrieben, bei seinem Sohn gebe es keine Mittelstraße." Für Mozart sei das Scheitern programmiert gewesen, weil er sich nie eingeordnet hätte. Das habe man ja 1781 in seiner Auseinandersetzung mit Erzbischof Colloredo gesehen: ein Showdown. "Nein - da schmeist er mich zur thüre hinaus, und giebt mir einen tritt im hintern", so Mozart. Fatal sei für Mozart gewesen, dass seine Zeit als Wunderkind keine Fortsetzung fand. Das Scheitern sei ein wichtiger Aspekt, auch in Hinblick auf seinen 250. Geburtstag. Davon werde kaum die Rede sein, nicht in Wien, nicht in Salzburg. Kurt Palm hat unter anderem sechs Tage in Salzburg gedreht. "Wir behandeln auch den abstrusen Mozart-Kult dort, den Nannerl-Likör und die 5000 T-Shirts, die es gibt, und den geistlosen Tourismus, aber vor allem haben wir an den Originalstätten bestimmte Themen abgehandelt, etwa die Kindheit." Der Film habe schon den Anspruch, volksbildend zu wirken. "Natürlich gibt es Blödeleien, so im Stift Lambach, wo ich behaupte, eine Locke von Mozart gefunden zu haben." In erster Linie aber will Palm bestimmte Dinge bewusst machen, etwa Mozarts Interesse an der ersten Heißluftballon-Fahrt in Österreich oder an Vorlesungen in Salzburg über Experimentalphysik. "Mozart war ein Mathematikgenie." Für seinen von FischerFilm produzierten Mozart-Film hat Palm 430.000 Euro zur Verfügung - ein Quantensprung, für seinen Stifter-Film gab es einen Bruchteil. "Jetzt konnten wir sogar ,Die Liebesprobe', ein typisches Hans-Wurst- und Kasperl-Stück Mozarts aufführen, seinen einzigen erhaltenen Theatertext. Überliefert sind die ersten fünf Seiten", so Palm. Das Sieben-Minuten-Stück wurde gestern vor Publikum im Ottensheimer Gasthaus "Zur Post" mehrmals aufgeführt und gefilmt. Er
zeige, wie Mozart von seinem Geburtsort Salzburg in seinen Sterbeort
Wien gekommen sei. Zwei Reisen dienen als Vorlage, die mit der Postkutsche
von Salzburg nach Wien und die mit dem Schiff von Passau nach Wien.
"Deshalb sind wir auf Ottensheim gekommen. Dort ist er am 26. September
1762 um 16.30 Uhr vorbeigefahren." Kamele in Timelkam, Fäkalkomik
in Linz An den Strecken durch Salzburg, Oberösterreich, Niederösterreich
nach Wien seien verschiedene Themen aufgegriffen worden, in Timelkam
habe man Kamele gefilmt (kommt im Wappen vor), in Mösendorf die
Liebesgeschichte mit seiner Cousine abgehandelt, in Linz die "Linzer
Sinfonie", Fäkalkomik und die HipHop-Truppe Texta. "Texta
haben Texte von Mozart genommen und diese vertont." Konservenmusik
wird es nicht geben, Chrono Pop wird Mozart-Themen interpretieren ...
Und das Kochen spielt auch eine Rolle. "Im Film bereite ich Rinderzunge
zu. Mozart hatte diese Speise sehr gern." Ein Kochbuch zum Thema
wird 2005 folgen. Sein Film "Der Wadenmesser oder Das wilde Leben
des Wolfgang Mozart" (mit dem Wadenmesser wurden die Waden der
Damen gemessen; sie trugen keine Unterwäsche) wird am 27. Jänner
2005, dem 249. Geburtstag Mozarts, Kinopremiere haben, ein Jahr vor
dem Jubiläum. |
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