Montag,
26. Juli 2004
Unser Team trifft sich vor Ludwig Köchels Geburtshaus in Krems.
Den ersten Take mit mir vor der Kamera müssen wir mindestens fünf
Mal wiederholen, weil ich ständig irgendwelche sinnlosen Zahlen
verwechsle.
Nach dem Dreh im
Freimaurer-Schloß Rosenau im nördlichen Waldviertel erzählt
uns ein alter Bauer im Wirtshaus, dass Mozart nicht in Wien, sondern
in einer Stein-Pyramide in der Nähe von Rosenau begraben wurde.
Dienstag,
27. Juli 2004
Bei Tagesanbruch begeben wir uns auf die Suche nach dieser Pyramide
und finden sie tatsächlich inmitten eines finsteren Walds. Schön,
dass wir bereits am zweiten Drehtag eine neue Theorie rund um Mozarts
Begräbnis in die Welt setzen können.
Als wir zufällig
am Ortsschild „Negers“ vorbeifahren, drehen wir ein nicht
geplantes Freimaurer-Kapitel, in dem es um das traurige Schicksal des
„Mohren“ Angelo Soliman geht, der nach seinem Tod 1796 auf
Anweisung des Kaisers ausgestopft und in einem Museum in Wien ausgestellt
wurde.
In Krumau am Kamp
steige ich trotz klirrender Kälte ins Wasser, um einen 30 Kilogramm
schweren Stör herauszuholen und vor die Kamera zu halten. Erst
in Nachhinein erfahre ich, dass ich in den nächsten Tagen auf den
Armen und am Bauch einen schmerzhaften Ausschlag bekommen werde, weil
die Haut des Störs irgendwelche Giftstoffe enthält. Aber was
tut man nicht alles für die Kunst.
Mittwoch,
28. Juli 2004
In der Pathologie des Krankenhauses St. Pölten treffen wir Prof.
Dr. Hans Bankl, einen alten Bekannten, der bereits bei unserem Stifter-Film
eine wichtige Rolle spielte. Auch dieses Mal geht es wieder blutig zu,
aber wir sind das schon gewöhnt.
Beim Ortsschild
von Mösendorf in der Nähe von Frankenmarkt erzähle ich
etwas über das stürmische Liebesverhältnis zwischen Mozart
und seiner Cousine Maria Anna Thekla Mozart. Der Ort passt nicht nur
wegen der „Möse“ gut zum Thema, sondern auch, weil
Mozart des öfteren durch diesen Ort gefahren ist.
Donnerstag,
29. Juli 2004
Der Dreh in Passau und später auf der Donau in Österreich
gibt weniger her als erhofft.
Sonntag,
1. August 2004
Die Marktmusik Timelkam spielt beim Aufest den ersten Satz aus Mozarts
„Kleiner Nachtmusik“. Das Publikum, das zum Frühschoppen
gekommen ist, ist zwar leicht irritiert, aber nachdem ich erkläre,
weshalb fünfmal hintereinander dasselbe Stück von Mozart gespielt
wird, freuen sich die meisten und bestellen zur Feier des Tages gleich
noch eine Halbe Bier.
Am Nachmittag stehe
ich vor dem Mautturm in Timelkam zwischen vier Kamelen, mit denen ich
mich auf Anhieb sehr gut verstehe. Selbst wenn mir ein ausgewachsenes
Kamel auf den Fuß tritt, tut das nicht wirklich weh, weil Kamele
gepolsterte Hufe haben.
Montag,
2. August 2004
Für Otto Lechner und seine Musiker wandeln wir den Nebenraum eines
arabischen Restaurants in ein orientalisches Etablissement um, wo die
Ouvertüre von Mozarts Oper „Die Entführung aus dem Serail“
in ungewöhnlicher Besetzung gespielt wird.
Am Nachmittag versuche ich mich in St. Pölten als Taucher in einem
riesigen Fischbecken. Unter Wasser geht mir regelmäßig bereits
nach einer halben Minute die Luft aus, außerdem fehlt mir trotz
Taucherbrille jeder Orientierungssinn. Wir machen sicherheitshalber
fünf oder sechs Takes, damit wir später genug Material zum
Schneiden haben.
Dienstag,
3. August 2004
In einem Waschbeton-Wartehäuschen in Oberösterreich gibt es
ein Wiedersehen mit Mario Garzaner, der Mozart auf Bongos spielt. Ich
entschließe mich spontan, die Arie des Osmin aus der „Entführung
aus dem Serail“ zu singen, während mich Mario auf den Bongos
begleitet. So falsch wurde Mozart wahrscheinlich noch nie gesungen.
Mittwoch,
4. August 2004
Am Nachmittag wird im wunderschönen Garten des Schlosses Altwartenburg
die Ouvertüre zur „Hochzeit des Figaro“ von einem Akkordeonsextett
- fünf Akkordeons und ein Schlagwerk - gespielt. Während der
Aufführung messe ich der Akkordeonistin Nada und der Schlagwerkerin
Uli die Waden. Ich verstehe jetzt, weshalb Mozart so sauer war, als
er erfuhr, dass sich seine zukünftige Frau Constanze „von
einem Chapeau die Waden habe messen lassen“. Schade, dass Nada
und Uli gleich wieder nach Graz fahren müssen.
Donnerstag,
5. August 2004
Heute heißt es früh aufstehen, denn der Heißluftballon
wartet bereits um fünf Uhr früh auf uns. In der Fachsprache
sagt man zwar, dass man mit einem Ballon „fährt“ und
nicht fliegt, aber ich empfinde das Gleiten mehr als fliegen und weniger
als fahren. Bei der Landung kippen wir mit dem Korb um, was aber nichts
Außergewöhnliches sei, wie uns die „Pilotin“
nachträglich erklärt.
Freitag,
6. August 2004
Da wir mit dem Ergebnis des gestrigen Drehtags nicht zufrieden sind,
müssen wir noch einmal mit dem Ballon in die Luft. Dieses Mal „fährt“
der Ballon in eine ganz andere Richtung als gestern.
Am Nachmittag geht
es dem Kräuterochsen Hugo an den Kragen. Die Schlachtung am Bauernhof
verläuft ohne Komplikationen und wir können den Zuschauern
endlich einmal zeigen, woher die Rinderzunge kommt, die Mozart so gerne
gegessen hat.
Sonntag,
8. August 2004
Heute ist unser erster Drehtag in Salzburg. Wir beginnen beim Zauberflötenhäuschen,
wo das Kabinetttheater Szenen aus der „Zauberflöte“
aufführt. Die Kinder, die wir als Publikum eingeladen haben, sehen
aufmerksam zu, werden aber nach der fünften Wiederholung unruhig.
Montag,
9. August 2004 bis Donnerstag, 12. August 2004
Ab jetzt heißt unsere Devise vier Tage lang: Vorsicht vor den
Mozart-Fallen in Salzburg. Wobei es nicht leicht ist, diesen Fallen
auszuweichen, da sie auch an Orten lauern, wo man sie nicht vermuten
würde. Am Ende unseres Salzburg-Aufenthalts sind wir aber eher
positiv überrascht. Man hat uns weniger Schwierigkeiten gemacht
als befürchtet. Vielleicht lag das auch daran, dass wir vorne in
unseren Autos Tafeln mit der Aufschrift liegen hatten: „Im Auftrag
der Salzburger Festspiele“.
Montag, 16. August 2004 bis Donnerstag, 19. August 2004
In den nächsten vier Tagen absolvieren wir ein anstrengendes Wien-Programm,
wobei wir auch hier höllisch auf die Mozart-Fallen aufpassen müssen.
In Wien sind sie nämlich besser getarnt als in Salzburg.
Donnerstag,
26. August 2004
Nach zweitägigen Proben findet im Wirtshaussaal des Gasthofs „Zur
Post“ in Ottensheim die Uraufführung von Mozarts Lustspielfragment
„Die Liebesprobe“ statt. Obwohl das Stück nur acht
Minuten lang ist, kommen 130 Zuschauerinnen und Zuschauer. Der Abend
wird lustig, weil nicht nur das Stück gut ankommt, sondern auch
die Theaterkostüme versteigert werden. Außerdem messe ich
bei einigen Ottensheimerinnen die Waden.
Freitag,
27. August 2004
In Linz steht ein musikalischer Marathon auf dem Programm. Zuerst drehen
wir mit der Hip-Hop-Gruppe „Texta“, die Mozart-Texte neu
vertont hat und am Abend führt die Linzer Philharmonie im Innenhof
des Palais Thun Hohenstein Teile der „Linzer Symphonie“
auf. Das Besondere an diesem Orchester, das aus etwa 60 Musikerinnen
und Musiker besteht, ist, dass Mozart falsch gespielt wird, das aber
richtig. Ein erstklassiges Dilettantenorchester, an dem Mozart seine
reine Freude gehabt hätte - behaupte ich einmal so.
Samstag,
28. August 2004
Der letzte musikalische Dreh findet in Wien in einem engen Keller-Tonstudio
statt, wo Chrono Popp, Andi Karner, Anna Stein und Marian Schönwiese
Liebesbriefe Mozarts vertont haben.
Sonntag,
29. August 2004
Heute muss ich bereits um sieben Uhr früh das Maria-Theresia-Denkmal
zwischen dem Kunsthistorischen und dem Naturhistorischen Museum besteigen.
Von unten schaut das Denkmal gar nicht so hoch aus wie es tatsächlich
ist und als ich von zwei Extremkletterern mit einem Kran auf dem Schoß
Maria Theresias abgesetzt werde, komme ich ordentlich ins Schwitzen.
Aber die beiden Kletterer sind pädagogisch ausgebildet und nehmen
mir jede Angst vor einem möglichen Absturz. Nach einer viertelstündigen
Gewöhnungsphase an die luftigen Höhen spreche ich meinen Text
halbwegs fehlerfrei in die Kamera. Als ich wieder festen Boden unter
meinen Füßen spüre, geht es mir aber deutlich besser.
Am Nachmittag unterhalte
ich mich mit Stefan Weber vor dem Johann-Strauß-Denkmal im Stadtpark
über die Beziehungen der Gruppe „Drahdiwaberl“ zu Mozart.
Sehr absurd das Ganze.
Montag,
30. August 2004
Wie beim Stifter-Film findet der letzte Drehtag in Kremsmünster
statt. Hier wurde nämlich unlängst eine Gedenktafel für
den Mozart-Schüler Franz Xaver Süßmayer angebracht.
Für das Abschlussessen fange ich im Stiftsteich ein paar Forellen,
die wir uns dann am Abend gut schmecken lassen. |